Kassetten archivieren: Hülle und Inhalt
Kassetten sind ein Speichermedium mit einer Eigenheit, die bei digitalen Dateien völlig fehlt: Der sichtbare Teil der Sammlung ist nicht der Inhalt. Eine Kassette besteht aus zwei getrennten Komponenten – dem Magnetband im Gehäuse und der bedruckten Papierhülle, die in der Klappbox steckt. Wer eine Sammlung ordnet, muss beide Ebenen getrennt erfassen, sonst entsteht ein Katalog, der zwar hübsch aussieht, aber bei der Suche versagt. Die Hülle trägt den Titel, das Label, die Katalognummer und oft handschriftliche Notizen, während das Band selbst die eigentliche Aufnahme enthält. Diese Trennung ist der Grund, warum Archivare bei Kassetten grundsätzlich zwei Verzeichnisse führen: eines für die Verpackung und eines für das Band.
Bevor irgendetwas digitalisiert wird, steht die physische Sicherung. Kassetten lagern am besten stehend, bei konstanter Temperatur zwischen 15 und 20 Grad und einer Luftfeuchtigkeit um 50 Prozent. Direkte Sonneneinstrahlung beschädigt sowohl das Papier der Hülle als auch das Bandmaterial. Staub ist der häufigste Feind, deshalb gehören die Stücke in geschlossene Regale oder Archivboxen aus säurefreiem Karton. Wer seine Sammlung langfristig erhalten will, findet bei den praktischen Hinweisen auf technik-247.de eine brauchbare Übersicht dazu, welche Teile einer Sammlung überhaupt sichtbar bleiben und welche verschwinden, sobald das Regal geschlossen wird. Bevor Bänder gespult oder abgespielt werden, sollte das Gerät gereinigt sein, denn verschmutzte Tonköpfe hinterlassen Spuren auf dem Band, die sich nicht rückgängig machen lassen.
Für die Digitalisierung gilt: Das Band wird mit einem intakten Kassettendeck abgespielt und das Signal verlustarm in eine Datei geschrieben. Wichtig ist, den Aufnahmepegel nicht zu hoch zu fahren, weil alte Bänder ohnehin leiser und dumpfer klingen als das Original. Nach der Aufnahme wird die Datei benannt, und zwar nicht nach dem, was auf der Hülle steht, sondern nach dem, was tatsächlich zu hören ist. Genau hier zeigt sich das Problem: Hüllen wurden getauscht, Etiketten überklebt, Bänder in fremde Gehäuse umgesetzt. Ein häufiger Fall sind selbst aufgenommene Mixtapes, bei denen die Hülle den ursprünglichen Titel trägt, das Band aber später überspielt wurde. Wer nur die Hülle katalogisiert, archiviert eine Beschriftung, nicht eine Aufnahme.
Deshalb gehört zu jeder Kassette ein kurzer Prüfvermerk. Man hört die ersten Sekunden an, notiert die tatsächliche Laufzeit und vergleicht sie mit der Angabe auf dem Etikett. Weicht die Laufzeit ab, ist das ein Hinweis auf eine andere Bandlänge oder auf ein umgesetztes Gehäuse. Stimmmen Aufkleber und Inhalt nicht überein, wird beides dokumentiert und die Abweichung im Verzeichnis vermerkt. Auf diese Weise bleibt nachvollziehbar, was wirklich vorhanden ist, und die Sammlung verliert auch dann nicht ihren Wert, wenn die Verpackung irgendwann zerfällt.