Warum Baumwollhandtücher beim Polstern abfärben und Mikrofaser nicht
Wer schon einmal mit einem weißen Baumwollhandtuch über frisch geölten oder gewachsten Stahl gegangen ist, kennt das Problem: Nach kurzer Zeit zeigen sich dunkle Schlieren auf dem Tuch, und die polierte Oberfläche wirkt stumpf statt spiegelglatt. Das liegt nicht an mangelnder Sorgfalt, sondern an der Struktur der Baumwollfaser selbst. Baumwolle besteht aus Cellulose, einer hydrophilen Verbindung, die Wasser und darin gelöste Stoffe begierig aufnimmt. Polierwachse, Öle oder Metallabrieb dringen tief in die Faser ein, werden dort eingelagert und bei der nächsten Bewegung wieder an die Werkstückoberfläche abgegeben. Das Tuch fungiert dann weniger als Reinigungshilfe denn als Transportmedium für genau die Rückstände, die man entfernen möchte.
Mikrofaser verhält sich grundlegend anders. Die feinen Polyester- und Polyamidfasern sind hydrophob, weisen also Wasser und gelöste Substanzen ab. Statt sie einzusaugen, halten sie Schmutzpartikel in den Kapillaren zwischen den Fasern fest. Wer verstehen will, warum dieser Unterschied so gravierend ist, findet bei geschmacksbaecker.de eine anschauliche Erklärung zur Feuchtigkeitsaufnahme beider Materialien. Daraus folgt für die Praxis: Mikrofasertücher geben so gut wie keine gelösten Stoffe zurück, weil sie sie schlicht nicht aufnehmen. Sie verteilen Wachs oder Öl nicht auf der Oberfläche, sondern nehmen es auf und halten es im Gewebe fest, bis das Tuch gewaschen wird.
Ein weiterer Faktor ist die Faseroberfläche. Baumwollfasern sind naturgemäß unregelmäßig, mit Schuppen, Windungen und Hohlräumen. Diese Struktur bietet vielen Partikeln einen Halt und macht das Tuch nach einiger Zeit zu einer Art Reservoir für alte Rückstände. Mikrofasern hingegen sind glatt und gleichmäßig extrudiert, wodurch sie weniger Haftpunkte für eingelagerte Stoffe bieten. Deshalb färben Baumwollhandtücher beim Polstern ab, Mikrofasertücher nicht. Wer empfindliche Oberflächen bearbeitet, sollte daher konsequent auf Mikrofaser setzen und Baumwolle allenfalls für grobe Vorarbeiten verwenden, bei denen Verunreinigungen keine Rolle spielen.